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MASCH - Marxistische Abendschule Hamburg. Forum für Politik und Kultur e.V. ***********

Veranstaltungen im Sommer 2o19


Rolf Geffken
Die neoliberale Destruktion des Arbeitsrechts
Rolf Geffken stellt sein neuestes Buch "Umgang mit dem Arbeitsrecht" vor

Das Arbeitsrecht verdankt seine Entstehung der Formation der Lohnabhängigen als eigenständige Klasse. Doch setzte es sich als Schutzrecht erst nach langen Kämpfen durch. Es spiegelt grundlegende Veränderungen im Kräfteverhältnis von Arbeiterklasse und Bourgeoisie wider. In seiner praktischen Wirksamkeit ist es aber abhängig von der Handhabung durch Rechtsprechung und Gesetzgebung, aber auch von der Wahrnehmung durch die Arbeiter selbst und von seiner Gestaltung durch eine offensive Tarifpolitik der Gewerkschaften. Im Nachkriegs-Westdeutschland der 1950 und 1960er Jahre wirkte eine in der Justiz vorherrschende postfaschistische Ideologie auf das Arbeitsrecht ein und unterlief dessen kollektive und emanzipatorische Elemente. Nach dem Kampf der Gewerkschaften um die 35-Stunden-Woche und dem Untergang der DDR kam es unter der Regierung Kohl erstmals zu einem massiven Angriff des neoliberalen Gesetzgebers auf bis dahin gesicherte Rechtspositionen im Arbeitszeitrecht, beim Kündigungsschutz und im Befristungsrecht. Heute zeichnet sich das Arbeitsrecht durch Regelungen zu einer Fragmentierung der Arbeiterklasse in Kernbelegschaften, Leiharbeiter, Werkvertragsbeschäftigte, befristet und prekär Beschäftigte aus. Diese Aufspaltung beeinträchtigt das Arbeitsrecht in seinen Grundfunktionen.

Mehr denn je ist es notwendig,

  • Rechte am Arbeitsplatz - soweit noch vorhanden – wahrzunehmen,
  • genommene Rechte z.B. im Kündigungsschutz wieder zurückzuholen,
  • offensiv alternative Rechtsinterpretationen der "herrschenden Meinung" entgegenzuhalten,
  • mit einer offensiven Gewerkschaftspolitik und aktiven Betriebsräten einen Paradigmenwechsel weg vom Ko-Management hin zu mehr Arbeiterrechten zu erreichen,
  • die alte Forderung nach einem einheitlichen Arbeitsgesetzbuch zu propagieren, aber auch
  • die vergessenen Forderungen nach mehr Kündigungsschutz und massiver Arbeitszeitverkürzung zum Gegenstand des gewerkschaftlichen Kampfes zu machen.

Das Buch "Umgang mit dem Arbeitsrecht" soll dafür einen Beitrag leisten, indem es das Recht nicht nur vom Standpunkt der Lohnabhängigen aus analysiert, sondern auch politische und juristische Handlungsanweisungen zum Umgang mit dem Arbeitsrecht für Beschäftigte, Betriebsräte, Personalräte, Gewerkschafter und kritische Juristen gibt.

Der Autor ist seit 42 Jahren in Hamburg als Fachanwalt für Arbeitsrecht, Autor und Referent in der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit tätig.

Eine Veranstaltung der MASCH in Zusammenarbeit mit der Heinrich-Heine Buchhandlung.

Referenten: Dr. Rolf Geffken (Hamburg)
Termin: Donnerstag, 25.o4.2o19, 2o:oo Uhr
Ort: Heinrich-Heine-Buchhandlung, Grindelallee 28



Alex Demirović
Autoritärer Populismus als neoliberale Krisenbewältigungs­strategie

Der autoritäre Populismus stellt eine politische Strategie dar, die von weiten Teilen des bürgerlichen Lagers bis in die Mitte hinein verfolgt wird und nicht nur von Parteien, die als rechts gelten. Die inhaltlichen Positionen sind seit langem bekannt und erklären den Erfolg einer populistischen Mobilisierung nicht. Die Strategie der Verbindung von "Elite und Mob" steht, so die im Vortrag vertretene These, im Zusammenhang mit der Dynamik der Vielfachkrise seit 2008 und stellt die Bemühung dar, sie zu bewältigen und progressive Lösungen zu verhindern.

Alex Demirović, Prof., Dr. phil., Sozialwissenschaftler, ist Redaktionsmitglied der Zeitschrift Prokla, Mitglied im Beirat des BdWi, in der ver.di, in den Fachvereinigungen DGS und DVPW und im wissenschaftlichen Beirat von Attac, Fellow des Berliner Instituts für Kritische Theorie sowie Fellow des Instituts für Gesellschaftsanalyse der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Eine Veranstaltung der MASCH-Hochschulgruppe.

Referent: Prof. Dr. Alex Demirović (Frankfurt/Main)
Termin: Montag, o1.o7.2o19, 19:oo Uhr
Ort: Universität Hamburg, Allendeplatz 1 (Pferdestall), 2. Stock, Raum 245



Leo Roepert
Lässt sich der Rechtspopulismus ökonomisch erklären?

Die Erklärungen, die man zum gegenwärtigen Aufstieg des „Rechtspopulismus“ am häufigsten zu lesen und zu hören bekommt, sind ökonomisch. In der liberalen Variante ist von „Modernisierungsverlierern“ die Rede, die von einer globalisierten Wirtschaft „abgehängt“ worden seien. Linke AutorInnen führen die verschärfte Konkurrenz im Neoliberalismus, die „Abstiegsgesellschaft“ oder die Wirtschaftskrise und die nachfolgenden Austeritätspolitiken als Ursachen an.
Doch obwohl die Annahme, dass der Kapitalismus und seine Krisensymptome bei der Erklärung des Rechtsrucks eine zentrale Rolle spielen müssten, gerade aus linker Perspektive äußerst plausibel erscheint, ergeben sich aus ihr bei näherem Hinsehen zahlreiche Fragen und Probleme. So zeigen empirische Studien, dass die neuen Rechtsparteien nicht nur von sogenannten „Abgehängten“, sondern quer durch alle Schichten gewählt werden. Und wenn es tatsächlich vorrangig ökonomische Sorgen und Nöte sind, die deren AnhängerInnen umtreiben, wieso wenden sie sich nicht linken Parteien und Bewegungen zu, die ökonomische Probleme direkt adressieren? Wie lassen sich schließlich völkische Reinheitsvorstellungen, rassistische Untergangsszenarien und ein paranoides Elitenbild auf ökonomische Interessenlagen und Strategien zurückführen?
Der Vortrag skizziert die gängigen ökonomischen Erklärungen des „Rechtsrucks“, diskutiert ihre Probleme und stellt einige Überlegungen dazu an, wie eine kritische Theorie des „Rechtspopulismus“ aussehen könnte, die dessen paranoiden und rassistischen Zügen Rechnung trägt und dabei den Kapitalismus miteinbezieht, ohne reduktionistisch zu sein.

Leo Roepert ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachbereich Sozialökonomie der Universität Hamburg und forscht zu Rassismus, Autoritarismus und Rechtspopulismus.

Eine Veranstaltung der MASCH-Hochschulgruppe.

Referent: Leo Roepert (Hamburg)
Termin: Donnerstag, o4.o7.2o19, 18:3o Uhr
Ort: Universität Hamburg, Allendeplatz 1 (Pferdestall), 2. Stock, Raum 245

Hinweise
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Tagungsband: Aufhebung des Kapitalismus
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